Ausgabe August 2012

Sommerpause

Sommerpause. Endlich. Der Bundestag und auch sein Verfassungsschutz-Ausschuss sind gute zwei Monate geschlossen. Das wird auch den deutschen Medien helfen. Die lange eingelegten sauren Gurken werden rausgeholt. Kein Rechtsradikalismus nirgendwo. Außer: Hitler wäre in Argentinien aufgetaucht. Ja, das wäre was. Eine Sensation, wie damals, als in Rostock-Lichtenhagen der von Rechtsradikalen angeführte Mob ein Asylbewerberheim mit Molotowcocktails angriff: Da wusste die „Bild“-Zeitung gleich: „Stasi steuert Rostock-Chaoten!“ Das hatte die Zeitung von Helmut Kohl gehört, der hatte das tatsächlich gesagt.

Irgendwann verlor sich dann leider die sensationelle Stasi-Spur, aber der Osten, der blieb immer im Fokus medialer Inszenierungen. Man sollte die Brandanschläge und Morde von Mölln und Solingen, die zwar im Westen stattfanden und ebenfalls rassistisch motiviert waren, als Ausreißer begreifen. So sah das auch der Verfassungsschutz, der in dieser Zeit sehr, sehr stark mit diesen gefährlichen linken Steinewerfern beschäftigt war. Völlig unabhängig von den Dumpfbacken im Osten, die immer häufiger NPD wählten und die „Zone“ in den „National befreiten Zonen“ wieder aufleben ließen, wurde die „Ausländerfrage“ im Westen natürlich ganz anders behandelt.

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Aktuelle Ausgabe März 2020

In der März-Ausgabe analysieren der Ökonom James K. Galbraith, der »Blätter«-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Historiker Paul M. Renfro, wie die US-Demokraten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November schlagen könnten. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann plädiert für die Wiederaneignung des Nationenbegriffs, den sie nicht den Rechten überlassen möchte. Der Umweltaktivist Bill McKibben setzt auf die Kraft der Sonne und des gewaltfreien Protests, um die Klimakrise noch aufzuhalten. Und die Soziologin Christa Wichterich beobachtet eine neue Welle transnationaler feministischer Bewegungen im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit.

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