Ausgabe März 2012

Kolumbien: Der Kampf um Grund und Boden

Bogotá stand beim diesjährigen Lateinamerika-Besuch von Außenminister Guido Westerwelle nicht auf dem Programm. Dennoch ist Kolumbien ein wichtiger Handelspartner der Bundesrepublik – immerhin ist Deutschland der zweitwichtigste Empfänger der jährlich 72 Mio. Tonnen Kohle, die das südamerikanische Land exportiert. Das Vorhaben der Bundesregierung, engere Beziehungen zu Schwellenländern aufzubauen, zielt explizit auch auf Kolumbien.

Dass sich dessen Präsident Juan Manuel Santos als Erneuerer des Landes präsentiert, dürfte der Bundesregierung zu Pass kommen, hatte doch das internationale Image seines Vorgängers, des Rechtsaußen-Hardliners Álvaro Uribe Vélez (2002-2010), unter den bewiesenen Verbindungen seiner Regierung zu paramilitärischen Gruppen erheblich gelitten. Über 100 Kongressmitglieder und zahlreiche Funktionäre seiner Regierung wurden in diesem Zusammenhang bereits verurteilt oder stehen vor Gericht, so etwa Jorge Noguera, der ehemalige Direktor des Geheimdienstes (DAS). Dieser hatte „schwarze Listen“ mit Oppositionellen an rechte Todesschwadronen ausgehändigt. Der Geheimdienst hatte zudem systematisch Richter des Obersten Gerichtshofs, Journalisten und Menschenrechtler abgehört und bespitzelt. Unter Santos wird der DAS nun abgeschafft. An seine Stelle soll eine neue Agentur treten.

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