Ausgabe November 2012

USA versus Iran: Die Rückkehr der Vernunft?

Manche Entwicklungen verlaufen so langsam, dass sie der Aufmerksamkeit des unbeteiligten Beobachters völlig entgehen. Ein Beispiel dafür liefert gerade die allmähliche Veränderung der amerikanischen Position im Irankonflikt. Wie es aussieht, haben sich seit dem vergangenen Frühjahr zwei wichtige Neuerungen ergeben: Zum einen scheint Washington wieder die Federführung in der Konfliktbearbeitung übernommen zu haben, nachdem der Hardliner, der derzeit Israel regiert, die Vereinigten Staaten in Richtung Krieg zu drängen versuchte. Zum anderen gibt es in den oberen Etagen des amerikanischen Establishments jetzt offenbar mehr Flexibilität, was Ziel und Zweck von Verhandlungen mit dem Iran angeht. Jeder ernsthafte Verhandlungsprozess müsste realistischerweise auch auf iranische Sorgen eingehen und darf sich nicht auf das Atomthema, das die USA und Israel bislang hauptsächlich beschäftigt, beschränken. 

An die Stelle des leichtfertigen, chauvinistischen Geredes darüber, den Iran durch Bombenangriffe zur Unterwerfung zu zwingen – wie es in den letzten Jahren in den USA und Israel vorherrschte – tritt damit neuerdings eine viel nüchternere Abwägung der tatsächlichen Kosten und Konsequenzen eines Angriffs.

November 2012

Sie haben etwa 18% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 82% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: imago images / UPI Photo

Nach Trump: Aussichten auf den Bürgerkrieg

von Alexander Hurst

US-Präsident Donald Trump prahlt immer wieder mit der Muskelkraft seiner Anhänger, was seiner zunehmend bedrängten Präsidentschaft einen drohenden Unterton verleiht. „Ordnungskräfte, Militär, Bauarbeiter, Bikers for Trump… Das sind harte Leute“, sagte er 2018 bei einer Wahlveranstaltung in St. Louis, Missouri.

Die Einflüsterer des Präsidenten: Fox News und Donald Trump

von Klaus Kamps

Erstaunliche Meldungen waren das, in der Tat: US-Präsident Donald Trump möchte Grönland kaufen, befiehlt amerikanischen Unternehmen, China zu verlassen, erklärt den Chef der amerikanischen Zentralbank zum Feind – und beschwert sich über seinen Lieblingssender, „Fox News“, weil dort nicht nur schlechte Umfragewerte über ihn zu hören waren, son

Die Wirtschaft, die wir brauchen

Bild: sol/Unsplash

Die Wirtschaft, die wir brauchen

von Joseph E. Stiglitz

Für große Teile der Menschen in den westlichen Industrienationen funktioniert die Markwirtschaft nicht mehr. Wir brauchen daher einen progressiven Kapitalismus, der sich durch Regulierungen, Reformen und einen neuen Gesellschaftsvertrag auszeichnet.