Ausgabe April 2013

Zurück zum Wesentlichen

Was wir zum guten Leben brauchen

Viele große Denker sagen uns schon seit Langem, Wirtschaftswachstum könne uns nicht glücklich machen. So schrieb 1751 etwa Jean-Jacques Rousseau, dass „der Fortschritt der Wissenschaften und Künste nichts zu unserer wahren Glückseligkeit beigetragen hat”.[1] Vielmehr habe er Neid, Ehrgeiz und nutzlose Neugier gefördert – Leidenschaften, in deren Natur es liege, dass sie nie ganz oder universell befriedigt werden könnten. Wahres Glück sei das Ergebnis einfacher Vorlieben und ungekünstelter Tugenden. Das Symbol dafür sei das antike Sparta, nicht das moderne Paris.

Rousseaus Klage wurde kürzlich wieder aufgenommen, diesmal untermauert mit Statistik. Die „ökonomische Glücksforschung“, wie das neue Forschungsgebiet heißt, behauptet, nachweisen zu können, dass die Menschen in den Industrieländern zwar alles in allem ziemlich glücklich sind, aber nicht noch glücklicher werden. Das Glücksniveau in Großbritannien hat sich demnach seit 1974 kaum verändert, während sich das reale Pro-Kopf-Einkommen im selben Zeitraum beinahe verdoppelt hat. In anderen Industrieländern sieht es ähnlich aus. Ab einem gewissen Niveau scheinen Einkommen und Glück nicht mehr gekoppelt zu sein.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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