Ausgabe Februar 2013

Der arktische Ölrausch

Die rapide Schrumpfung der arktischen Eisdecke stellt heute eine der gravierendsten Naturveränderungen auf dem ganzen Planeten dar, mit schwerwiegenden ökologischen und ökonomischen Folgen. Einerseits verlieren wir mit dem Polareis eines der größten und wichtigsten Ökosysteme der Erde. Andererseits werden die einst sagenhaften Nordost- und Nordwest-Passagen bald Realität. China und Japan rücken Europa und der amerikanischen Ostküste wesentlich näher, Transportkosten und -zeitaufwand auf dem Seeweg werden sich womöglich halbieren.

Vorher schon werden die gewaltigen Vorräte an fossilen Energieträgern und Mineralien, die in der Arktis lagern, weitaus leichter zugänglich sein als heute. Auf dem Festland liefern die Ölfelder Alaskas und Gasfelder im russischen Norden bereits seit vielen Jahren Kohlenwasserstoffe in großen Mengen, doch unter dem nördlichen Eismeer vermutet man noch weit üppigere Reserven. Sie könnten internationalen Energiekonzernen zufolge über sieben Billionen US-Dollar (in heutigen Preisen) wert sein. Rechnet man die zu erwartenden Erdgasmengen mit ein, läge der Wert wahrscheinlich deutlich über zehn Billionen.

Da das nördliche Eismeer großenteils flach und auf Festlandssockeln gelegen ist, wetteifern die Anliegerstaaten derzeit darum, sich exklusive Wirtschaftszonen im Sinne der UN-Seerechtskonvention zu sichern.

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