Ausgabe Juni 2013

»Du musst Dein Leben ändern«

Die ethische Produktivität des Menschen und ihre Ausbeutung

Bild: Janine Wittig / photocase.com

Warum führt die berechtigte Empörung über die Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß zu einer nationalen Debatte, deren Wellen bis in die Fernsehtalkshows reichen und Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände wie auch die Politik beunruhigen? Und warum lösen der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen – jüngst im Falle Pola Kinskis durch ihren Vater –, aber auch der öffentlich gemachte Burnout einer Professorin oder die Depressionen eines Fußballtorwarts regelmäßig wahre Beben in den Feuilletons aus?

Für jeden dieser Fälle gibt es andere Ursachen und wegen des besonderen Skandalisierungspotentials natürlich auch ein besonderes Medieninteresse. Es gibt jedoch zumindest einen Aspekt, unter dem weniger die Fälle selbst sich ähneln als vielmehr die Art und Weise, wie sie öffentlich diskutiert werden: Die öffentliche Aufmerksamkeit gilt stets den Lebensschicksalen Einzelner, ihrer jeweiligen Vorstellung von sich und ihrem Verhältnis zu sich selbst. Der Fußballmanager erzählt von seiner Sucht nach den Börsenausschlägen, die Professorin von ihrer Selbst-Überforderung mit unrealistischen Leistungsansprüchen, der daraus resultierenden Lebenskrise und ihrer Überwindung.

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Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

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