Ausgabe Juni 2013

Moral weiß-blau

Was waren das noch für Zeiten: Geschlagene 20 Jahre ist es jetzt her, dass Theo Waigel – damals nur Bundesfinanzminister und noch nicht „Mister Euro“ – nach der Amigo-Affäre und dem Abgang von Max Streibl bayrischer Ministerpräsident werden wollte. Doch quelle malheur: Prompt wurde bekannt, dass Waigel eine Liaison mit der ehemaligen Spitzenskifahrerin Irene Epple unterhielt, obwohl er damals noch mit seiner ersten Frau verheiratet war. Was folgte, ist bekannt: Es ging ein Aufschrei durch die CSU und der trickreiche Edmund Stoiber wurde Streibls Nachfolger.

Heute hat Bayern wieder eine Amigo-Affäre – über Jahre wurden Familienangehörige von Landtagsabgeordneten als Angestellte geführt –, und doch ist alles anders. Theo Waigel höchstpersönlich wird von Horst Seehofer zur „hohen Autorität“, ja zur „Ikone“ und „moralischen Instanz“ der CSU ausgerufen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass inzwischen bayrische Bundesminister gerne einmal Berliner Zweitfamilien samt eigenem Nachwuchs unterhalten, was aber in der Christlich Sozialen Union von heute keineswegs spätere Ministerpräsidentenehren verunmöglicht. Nein, nein, soviel ethischer Fortschritt muss schon sein.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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