Ausgabe März 2013

Angriff auf das Kindergeld

Bild: nekousa / photocase.com

Als der russische Mediziner Iwan Petrowitsch Pawlow Anfang des letzten Jahrhunderts sein berühmtestes Experiment der Öffentlichkeit vorstellte, ahnte niemand, dass man seine Erkenntnisse gut hundert Jahre später auch auf die deutsche Presselandschaft würde anwenden können. Man nehme dafür: Einen großen Eurobetrag, möglichst im zwölfstelligen Bereich, der angeblich für Sozialleistungen ausgegeben wird und behaupte, dass die Ausgaben sinnlos wären. Dann klingle man. Ganz egal, ob die Information stimmt oder nicht, die mediale Reaktion ist gewiss und immer dieselbe; von den sogenannten Leitmedien bis hin zum Pusemuckeler Landboten setzt der Speichelfluss ein. Es ist die Rede von „Almosen“ über „Geldsegen“ und „Wohltaten“ bis hin zur unvermeidbaren „Gießkanne“, mit der angeblich das ganze Land beglückt wird.

Jüngst zu besichtigen war dieses Schauspiel Anfang Februar, als der „Spiegel“ unter Berufung auf ein bis heute nicht bekanntes Konvolut von unbekannten „Experten“ die deutsche Familienpolitik rundweg als „200-Milliarden-Irrtum“ bezeichnete und fast sämtliche Medien sich diesem Urteil anschlossen.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: Mariann Szőke / Pixabay

Hartz IV: Im Dschungel der Kompetenzen

von Michael Kanert

„Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.“ Diese Antwort erhalten Bundestagsabgeordnete häufiger, wenn sie nachfragen, wie es denn so läuft mit der Umsetzung von Hartz IV in den Jobcentern. Und wer zu viel fragt, der wird bei Frage 2 auch mal „auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen“. Und die lautet?

Kein Recht auf Rendite, aber ein Grundrecht auf Wohnen

Bild: Ján Jakub Naništa / Unsplash

Kein Recht auf Rendite, aber ein Grundrecht auf Wohnen

von Sabine Nuss

Längst ist klar, dass Investoren auf dem Wohnungsmarkt nur solche Mietwohnungen schaffen, die auch gewinnbringend sind. Der gesellschaftlichen Spaltung kann man nur entgegenwirken, wenn die Eigentumsfrage erneut gestellt wird.

Zieht doch nach Duisburg!

Bild: napri / photocase.com

Zieht doch nach Duisburg!

von Utta Seidenspinner

Mit einem Mietendeckel will der rot-rot-grüne Berliner Senat die Hauptstädter entlasten: So sollen Vermieter nicht mehr als 30 Prozent des Haushaltseinkommens verlangen dürfen. Das aber geht am Problem vorbei, argumentiert die Journalistin Utta Seidenspinner. Wer Mieter schützen will, muss grundsätzlichere Lösungen finden.

Unsere armen Superreichen

von Jan Kursko

Was für ein launiges Zusammenspiel: Derweil das Land wieder einmal über die Einführung einer Vermögensteuer diskutiert, hat das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ seine Liste der 1000 reichsten Deutschen veröffentlicht.