Ausgabe November 2013

Dialektik der Ausbeutung

Der neue Rohstoffboom in Lateinamerika

Seit der Jahrtausendwende befinden sich die Preise von Mineralien, Erzen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen auf einem beispiellos hohen Niveau – und das trotz zeitweiliger krisenbedingter Rückgänge.[1] Es scheint, als wäre die Epoche der ständigen Verschlechterung der Handelsbedingungen (terms of trade) zu Lasten der Rohstoffexporteure vorüber. 

Damit gewinnt ein auf Rohstoffausbeutung und -export basierendes Entwicklungsmodell immens an Attraktivität. Speziell in Lateinamerika: 2011 beobachtete die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (CEPAL) für die erste Dekade eine beachtliche Steigerung des Primärgüteranteils an den lateinamerikanischen Gesamtexporten: Von 27 Prozent im Jahr 2000 stieg dieser im Jahr 2011 auf über 60,7 Prozent und übertraf damit sogar den Wert der Industrieexportgüter. Besonders deutlich zeigt sich der exportbasierte Rohstoffboom in der Andenregion, mit einem wertmäßigen Exportanteil von Rohstoffen im Jahr 2011 von 87,3 Prozent. In Bolivien stieg die Marke mit einem Gesamtwert von über sechs Mrd. US-Dollar sogar auf über 95 Prozent. Aber auch in den vier Mitgliedstaaten des Wirtschaftsbündnisses MERCOSUR, Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay[2], wuchs der Anteil der Rohstoffexporte und lag 2011 (trotz Rückgangs in der Krise) immerhin bei noch 67,1 Prozent.

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