Ausgabe September 2013

Verbrauchermacht im Supermarkt?

Die jüngsten Katastrophen in Textilfabriken in Bangladesch und Pakistan, denen mehr als 1500 Menschen – vor allem Frauen – zum Opfer fielen, bilden den traurigen Höhepunkt bisher bekannt gewordener Unglücke in der globalisierten Bekleidungsindustrie. Über die desaströsen Arbeitsbedingungen in diesem Sektor ist in den Medien in den letzten Jahren viel geschrieben worden.[1] Weitaus weniger Beachtung findet indes die Situation im Lebensmittelhandel. Auch zu dessen Sortiment gehören zahlreiche Waren, die in den Ländern des globalen Südens hergestellt werden – ebenfalls unter häufig unmenschlichen Arbeitsbedingungen.

Ein Beispiel hierfür ist die Produktion von Kakao, dem wichtigstem Rohstoff für Schokolade. Sinkende Kakaopreise führten in der Elfenbeinküste, dem größten Lieferanten für den deutschen Markt, in den letzten Jahren zu einer Verarmung der Bauern. Weil sie Erntehelfer nicht mehr bezahlen konnten, griffen die Bauern auf Kinderarbeit zurück: „Einer Studie aus dem Jahr 2009 zufolge arbeiten in der Elfenbeinküste rund 820 000 Kinder in der Kakaobranche [...]. Die Hälfte der befragten Kinder gab an, sich bei der Arbeit in den vorangegangenen zwölf Monaten verletzt zu haben. Dazu gehören offene Wunden, Insektenbisse, Muskel- und Rückenschmerzen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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