Ausgabe August 2014

Das andere Lateinamerika

Wenn sich bundesdeutsche Medien oder Publikationen mit aktuellen politischen Entwicklungen in Lateinamerika beschäftigen, wird früher oder später der Begriff „Linksruck“ bemüht. Tatsächlich kamen in den vergangenen Jahren in immer mehr Ländern des Subkontinents Politiker und Parteien des linken Spektrums an die Macht. Doch eine Differenzierung wird hierzulande nur selten vorgenommen. An einem monographischen Gesamtüberblick über diesen kontinentalen politischen Trend fehlte es in der deutschen Literatur bislang gänzlich. Den hat jetzt Dieter Boris vorgelegt, emeritierter Soziologie-Professor der Universität Marburg und jahrzehntelanger Lateinamerika-Kenner.

Boris’ Buch „Bolívars Erben. Linksregierungen in Lateinamerika“ ist ein Plädoyer für einen differenzierteren Blick auf den Subkontinent und die dortigen politischen Entwicklungen: In einigen Ländern wurde der Präsidentenwechsel durch teils gewaltsame Massenbewegungen erzwungen, wie in Argentinien 2001 oder in Ecuador im Jahr 2000. Andernorts, wie beispielsweise in Bolivien oder Venezuela, gelangten Linkspolitiker mittels regulärer Wahlen an die Macht. Das Spektrum auf dem Kontinent reicht von einem „sozialstaatlich gezügelten Kapitalismus“ in Brasilien oder Uruguay bis hin zu grundlegenden Umwälzungen, die einen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ anstreben.

Sie haben etwa 15% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 85% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Zieht doch nach Duisburg!

von Utta Seidenspinner

Mit einem Mietendeckel will der rot-rot-grüne Berliner Senat die Hauptstädter entlasten: So sollen Vermieter nicht mehr als 30 Prozent des Haushaltseinkommens verlangen dürfen. Das aber geht am Problem vorbei, argumentiert die Journalistin Utta Seidenspinner. Wer Mieter schützen will, muss grundsätzlichere Lösungen finden.