Ausgabe August 2014

Das Energiewende-Paradox

Am 11. Mai war Deutschland plötzlich Weltmeister – und merkte es nicht einmal. Der Rest der Welt dagegen schon: „Deutschlands beeindruckende Serie von Meilensteinen bei erneuerbaren Energien geht weiter“, schrieb etwa die Online-Plattform „Climate Progress“.[1] Der Grund: Fast 75 Prozent des deutschen Stroms waren an diesem verbrauchsarmen Sonntag aus Wind- und Sonnenenergie gekommen. Was nur wenigen deutschen Medien eine Erwähnung wert war, gilt unter Fachleuten und im Ausland als Sensation: Es gibt ein Industrieland, das mit seiner Energiewende offenbar Ernst macht – ohne dass die Lichter ausgehen.

Die deutsche Energiewende schlägt nach drei Jahren national und international hohe Wellen: Als Beispiel für den ökologischen Umbau der Industriegesellschaft für die einen, als Mahnung vor einer „De-Industrialisierung“ der größten europäischen Volkswirtschaft für die anderen. The German Energy Transition wird im Ausland verflucht, wenn sie die Stromleitungen in Polen und Tschechien an den Rand des Blackouts treibt oder den Pumpspeicherwerken in den Alpen ihr Geschäftsmodell verdirbt. Andere Nachbarn hingegen freuen sich über billigen deutschen Strom, wenn die Sonne scheint und der Wind weht, über deutsche Fortschritte bei den europäischen Klimazielen und über die deutschen Subventionen, die Ökostrom weltweit billiger machen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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