Ausgabe Juli 2014

Diplomatie mit Waffen

Die deutsche Öffentlichkeit hat noch nicht das Diktum Friedrichs des Großen akzeptiert: Diplomatie ohne Waffen ist wie ein Orchester ohne Instrumente.” So lautet die Deutschlandbilanz des langen Diplomatenlebens von James D. Bindenagel. Ginge es nach ihm, sollten die Deutschen diesen Ausspruch des Alten Fritz so schnell wie möglich verinnerlichen. Und geht es nach der Universität Bonn, wird ebendieser James D. Bindenagel ab kommendem Wintersemester den neu geschaffenen „Henry-Kissinger-Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Völkerrechtsordnung“ einnehmen.

Diese Professur ist aus mindestens zwei Gründen ein Novum: Erstens dürfte sie die einzige Stiftungsprofessur in Deutschland sein, mit der ein Mann geehrt wird, der zahlreiche Diktaturen unterstützt hat und für den Tod Hunderttausender in Südostasien und Südamerika mitverantwortlich ist.[1] Und zweitens soll die Professur ganz überwiegend vom Bundesministerium der Verteidigung finanziert werden. Kein Wunder also, wenn der wissenschaftliche Gegenstand des Lehrstuhls auch das Aufgabenspektrum des Stifters mitumfasst, sprich: das Tätigkeitsfeld der Bundeswehr.

Bei der Wissenschaft von den Internationalen Beziehungen kommt es – eigentlich – vor allem darauf an, die Hintergründe außenpolitischen Handelns zu verstehen, auch und gerade die der internationalen Mitspieler.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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