Ausgabe Mai 2014

Hohes Haus und leere Debatten

Während es unter einigen Intellektuellen schick geworden ist, zur Wahlenthaltung aufzurufen, unternimmt der Publizist Roger Willemsen das genaue Gegenteil. Willemsen setzt sich ein Jahr auf die Tribüne des Bundestages und tut das Außergewöhnlichste, was dort offenbar möglich ist: Er hört zu und nimmt wahr. Schon das, aber noch weit mehr, macht sein neues Buch „Das hohe Haus. Ein Jahr im Parlament“ bereits zu einem Ereignis.

Jeder Sitzungstag ist bei Willemsen ein Eintrag; und jeden Eintrag beginnt er mit den Schlagzeilen aus Politik- und Boulevardpresse. Die Leser starten also voraussichtlich ähnlich informiert in den parlamentarischen Arbeitstag, wie es die durchschnittlichen Abgeordneten tun. Zugleich wird es möglich, den Abstand zwischen medialen Tagesinformationen und den Sitzungsthemen im Bundestag zu bestimmen. Willemsen vermerkt dazu lakonisch, die Parlamentarier hätten „die Hoheit des ersten Worts an die Massenmedien“ abgetreten (47).

Bevor Willemsen zuhört, hat er sich jedoch gezielt vom Gegenstand entfernt, um ihn mit benennbaren Maßstäben – und nicht durch Vorurteile – neu zu entfalten.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.