Ausgabe April 2015

USA: Primat statt Hegemonie

Kein Land in der modernen Geschichte hatte je eine solch globale Militärmacht wie die USA. Trotzdem argumentieren einige Analysten nun, dass das Land in den Spuren Großbritanniens wandele – dem letzten globalen Hegemon, der einen Niedergang erlebte. Diese historische Analogie führt jedoch trotz ihrer wachsenden Popularität in die Irre.

Großbritannien war nie so dominant, wie es die USA heute immer noch sind. Zwar unterhielt es eine Flotte, die so groß war wie die beiden nächstgrößten Flotten zusammen, und sein Reich, in dem die Sonne nie unterging, herrschte über ein Viertel der Weltbevölkerung. Doch bestehen große Unterschiede zwischen den relativen Machtressourcen des britischen Empires und denen des zeitgenössischen Amerikas.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges stand Großbritannien, was die Anzahl des militärischen Personals anging, weltweit nur auf Rang vier unter den Großmächten; beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) stand es ebenfalls an vierter und bei den Militärausgaben an dritter Stelle. Die Herrschaft über das britische Empire stützte sich großteils auf örtliche Truppen. Von den 8,6 Millionen britischen Soldaten im Ersten Weltkrieg kam fast ein Drittel aus den Überseegebieten des Empires.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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