Ausgabe August 2015

Entfeindung durch Dialog

Vom heißen Krieg in der Ukraine zum Frieden in Europa

Im Ringen um eine diplomatische Lösung für den Ukrainekonflikt fiel auf, dass sich die USA – anders als in allen europäischen Krisen der letzten Jahrzehnte – deutlich zurückhielten. Dies machte es für Deutschland möglich und gleichzeitig nötig, sich stärker zu engagieren. Was aber kann der hohe Anspruch, Verantwortung für den Frieden in Europa zu übernehmen – der von Bundespräsident Joachim Gauck und Außenminister Frank-Walter Steinmeier auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2014 fast gleichlautend formuliert wurde –, vor dem Hintergrund der Ukrainekrise konkret bedeuten? Dieser Frage kommt umso größere Brisanz zu, als Deutschland im kommenden Jahr den OSZE-Vorsitz übernehmen wird.

Um sie zu beantworten, sollte erstens geklärt werden, wie die gegenwärtige Situation zu qualifizieren ist: Erleben wir einen neuen Kalten Krieg? Zweitens gilt es die Gründe für das russische Verhalten gegenüber der Ukraine zu erörtern. Und drittens muss gefragt werden, was man ausgehend von europäischen und deutschen Interessen tun kann und soll, um in Europa wieder stabilere Sicherheitsbeziehungen herzustellen.

Die Annexion der Krim und die kaum verdeckte militärische Invasion in der Ostukraine durch die Russische Föderation stellen eine schwere Verletzung des Völkerrechts und zentraler OSZE-Prinzipien dar.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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