Ausgabe Dezember 2015

Vom Glück zum BIP - und die Alternative des guten Lebens

Am Vorabend der Französischen Revolution sagte der Abgeordnete des revolutionären Nationalkonvents Louis Antoine de Saint-Just, dass „das Glück“ eine „neue Idee in Europa“ sei. Und in der Tat handelte es sich dabei im Gegensatz zur himmlischen Glückseligkeit (béatitude) und zum öffentlichen Wohl (félicité) um ein materielles und individuelles Wohlergehen – und damit bereits um einen Vorboten des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf der Ökonomen, dessen ethische Dimension gering, ja fast nichtig ist.

Das spiegelt den durch die Aufklärung (Lumières, Enlightenment, Illuminismo) bewirkten Bruch wider, der die zeitgenössische sogenannte Gelehrtenrepublik umtreibt, bevor er das Leben der Völker Europas im Galopp unter dem Namen „esprit du siècle“, verkörpert in Napoleon Bonaparte, durcheinanderwirbelt. Diese große kosmopolitische Bewegung bedeutete einen radikalen Bruch mit der christlichen Ökumene (jenem angeblich dunklen und obskuren Mittelalter), deren Ideal des guten Lebens in der Sprache der Gebildeten durch das lateinische beatitudo ausgedrückt wurde: „O beata solitudo, o sola beatitudo“ – „O selige Einsamkeit, o einziges Glück“. Die Glückseligkeit war hier ausgesprochen spirituell, himmlisch gar, immateriell und kollektiv, als Gemeinschaft der Heiligen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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