Ausgabe Februar 2015

Muslimischer Antisemitismus

In der letzten Ausgabe warnte »Blätter«-Herausgeberin Katajun Amirpur davor, den Islam mit Gewalt gleichzusetzen. Einen anderen Schwerpunkt setzt der palästinensisch-israelische Psychologe Ahmad Mansour. Er plädiert dafür, die antisemitischen Einstellungen vieler Muslime endlich ernst zu nehmen und nicht weiter zu ignorieren. – D. Red.

Angesichts der kaltblütigen Auslöschung einer ganzen Redaktion durch islamistische Terroristen ist die zweite Opfergruppe in Paris leider medial ins Hintertreffen geraten. Dabei handelte es sich keineswegs zufällig um Juden. Seit Jahren ist in Frankreich ein steigender Antisemitismus zu beobachten, vor allem unter Muslimen.

Und dieses Phänomen gilt auch für Deutschland: So kam es 2014 im Zuge der diversen Anti-Israel-Demonstrationen wiederholt zu offenem Antisemitismus. Demonstranten zeigten den Hitlergruß und skandierten hetzerische Parolen wie „Jude, Jude, feiges Schwein, komm herunter, kämpf‘ allein“. Gewiss, auch danach kannte das mediale Entsetzen keine Grenzen. Dabei kam dieser Ausbruch des Antisemitismus keineswegs ohne Vorwarnung. Bereits gut zwei Jahre zuvor war der Rabbiner Daniel Alter in Berlin brutal zusammengeschlagen worden, nur weil man ihn aufgrund seiner Kippa als Juden identifiziert hatte.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flagge der DDR

Bild: Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR?

Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR?

von Micha Brumlik

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober war nicht nur eine allgemeine Spätfolge des okzidentalen Judenhasses sowie des deutschen Nationalsozialismus, sondern auch ein Resultat der politischen Kultur der untergegangenen DDR.

Bild: Quinn Buffing / Unsplash

Der Wille zum Töten

von Klaus Theweleit

Vor 40 Jahren veröffentlichte Klaus Theweleit den ersten Band von »Männerphantasien« und machte damit sofort Furore.

Bild: imago images / snapshot

Das Fanal von Halle: Der neue, alte Antisemitismus

von Christian Bangel

Mit den Morden von Halle hat der Judenhass in Deutschland ein neues Fanal gesetzt. Nun kann man hoffen, dass die Tat Wirkung zeigt, dass sie so etwas wie eine Selbstüberprüfung der gesellschaftlichen Mitte auslöst. Doch bisher deutet wenig darauf hin.