Ausgabe Juli 2015

Über Ulrich Beck hinaus

Öffentliche Soziologie und die Suche nach der besseren Gesellschaft

Vor einiger Zeit haben die Soziologen Immanuel Wallerstein, Michael Mann, Randal Collins, Georgi Derlugian und Craig Calhoun einen „Weckruf an die Sozialwissenschaften“ verfasst.[1] Anlass dafür war die globale Krise von 2008/2009 mit ihren dramatischen Auswirkungen. Wallerstein und Collins deuten diese Zäsur als Vorspiel für den unumkehrbaren Niedergang des gesamten kapitalistischen Weltsystems. Eine große Systemkrise erwarten die beiden Autoren in der Zeit zwischen 2030 und 2050. Mann und Calhoun widersprechen mit sehr guten Argumenten, halten eine Revitalisierung des Kapitalismus für möglich, wissen sich mit ihren Kontrahenten aber darin einig, dass die im Gange befindlichen gesellschaftlichen Transformationen geradezu nach soziologischer Intervention schreien.

Kontroversen um eine Krise epochalen Ausmaßes sind in der Tat eine Steilvorlage für die „Krisenwissenschaft“ Soziologie, so könnte man meinen. Doch sieht man von prominenten Ausnahmen wie etwa Wolfgang Streeck ab,[2] besteht die Gefahr, dass der Weckruf hierzulande ungehört verhallt. Für die professionelle, die pragmatisch-beratungsorientierte und die gesellschaftskritische Soziologie gilt diese Feststellung in unterschiedlicher Weise. Die Standardsoziologie – ich meine das keineswegs abwertend, denn wie jede andere Wissenschaft basiert auch die Soziologie auf unhintergehbaren Standards – kennt viele Krisen.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Katastrophe ohne Ausweg?

von Sighard Neckel

Wie selten zuvor haben die vergangenen Monate die dramatischen Auswirkungen dessen unter Beweis gestellt, was landläufig als Klimakrise bezeichnet wird. Allerdings handelt es sich dabei um etwas völlig anderes, nämlich um eine systemische, aber auch gesellschaftliche Krise des naturzerstörenden Kapitalismus.

Politik als Gewinnspiel: Wetten auf Krieg und Frieden

von Sonja Peteranderl

Über Monate hinweg beobachteten US-Geheimdienste jede Bewegung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Am 3. Januar gab US-Präsident Donald Trump schließlich grünes Licht für die »Operation Absolute Resolve«.