Ausgabe Mai 2015

Ungarn als Untertanenstaat

Die Orbán-Mafia, die Ungarn für ihre Zwecke kolonialisiert, kann auf lange Sicht nicht fortbestehen ohne ein Konzept von der wünschenswerten Gesellschaftsordnung. Und ein solches hat sie auch.

Das Konzept kann man kurz folgendermaßen skizzieren. Man sollte ein Land schaffen, in dem die Mafia nicht abwählbar ist. Dazu sollten alle Kräfte, die die Macht des Paten (Viktor Orbán) gefährden könnten, ausgeschaltet werden. Auf bewährte blutige Mittel einer traditionellen Diktatur kann man als Mitglied der EU und der Nato freilich nicht zurückgreifen. Daher müssen die Struktur der Gesellschaft und ihre Funktionsweise so verändert werden, dass dieser Staat sich wunschgemäß für alle Zeiten einrichten kann.

Den Idealzustand dafür bietet ein Staat, der sich auf das Ausgeliefertsein seines Volkes gründet. Alle sind dem Paten ausgeliefert, von dessen Stellvertretern über die Mitglieder der Mafia in den mittleren Führungsebenen bis zu den besitzlosen Untertanen. Dazu müssen all jene beseitigt werden, die sich nicht in die Kette der Ausgelieferten einreihen lassen.

Wer bedroht die Macht Orbáns? Alle, die ohne den Staat auskommen, alle Andersdenkenden, alle gebildeten Menschen – also das Bürgertum. Weil man es nicht beseitigen kann, sollten seine Größe und sein Bewegungsradius auf ein Minimum reduziert werden.

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