Ausgabe September 2015

Erdogans Zweifrontenkrieg

Seit dem 24. Juli fliegt die türkische Armee Luftangriffe auf Stützpunkte der PKK im nordirakischen Kandil sowie gegen Ziele des IS im Norden Syriens. Damit verfolgen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und seine Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt (AKP) sowohl innen- als auch außenpolitische Interessen. Zum einen können die militärischen Angriffe nicht losgelöst von der derzeitigen geopolitischen Lage in Syrien betrachtet werden. Und zum anderen macht die türkische Offensive mehr als deutlich, dass die Regierung in Ankara eine Konsolidierung der kurdischen Bewegung als bedrohlich für den eigenen Machterhalt ansieht. Diese hatte bei den jüngsten Parlamentswahlen im Juni mit der HDP eine Kraft ins Rennen geschickt, deren Erfolg schließlich eine absolute AKP-Mehrheit verhinderte.

Schon im Laufe des Wahlabends am 7. Juni war immer deutlicher geworden, dass die AKP die angepeilte absolute Mehrheit im Parlament verfehlen würde. Angesichts dessen fragten sich Beobachter, ob der Parteivorsitzende Ahmet Davutoglu, um seinen Machtwillen zu demonstrieren, eine „Balkonrede“ (balkon konus¸ması) halten oder ob er einen bescheideneren Rahmen vorziehen würde. Davutoglu entschied sich – wohl auch auf Druck von Präsident Erdogan – für eine Balkonrede.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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