Ausgabe April 2016

Gas durch die Ostsee: Deutsch-russischer Machtpoker

Derweil die EU-Sanktionen gegen Russland weiter in Kraft sind, bahnt sich im Energiesektor ein gewaltiger Deal zwischen Berlin und Moskau an: Die Nord-Stream-Pipeline durch die Ostsee vom russischen Wyborg nach Lubmin bei Greifswald soll zwei zusätzliche Röhrenstränge bekommen. Damit könnte sie ihre Kapazität verdoppeln. Mit der geplanten Nord Stream 2 sollen zusätzliche 55 Mrd. Kubikmeter Gas pro Jahr nach Deutschland geliefert werden.

Laut den Ausbaubefürwortern erhalten Deutschland und andere europäische Länder eine bessere Versorgungssicherheit, weil mit der erweiterten Ostseepipeline das unsichere Transitland Ukraine umgangen wird. In der Tat soll Nord Stream 2 den Gastransport durch die Ukraine – und teilweise auch durch Polen – künftig überflüssig machen. Und niemand erinnert sich gerne an die russisch-ukrainischen Gasstreits von 2006 und 2009, als Moskau die Preise für die Ukraine unverhältnismäßig erhöhen wollte, um unliebsame Regierungen in Kiew in die Knie zu zwingen. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen drehte Moskau der ehemaligen Sowjetrepublik den Gashahn zu. Die wiederum bediente sich aus den russischen Lieferungen für Europa, und der Gasnotstand verlagerte sich gen Westen.

Doch dieses Argument überzeugt nur vordergründig und steht letztlich für eine kurzsichtige Politik. Weitet man den Blick, zeigt sich: Die Einwände wider den Ausbau der Pipeline sind gewichtiger.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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