Ausgabe August 2016

Alternative für Antisemitismus

Eines muss man der AfD lassen: Langweilig wird es mit ihr nicht. Wer gedacht hatte, dass die Gauland-Boateng-Kontroverse bereits der Höhepunkt ihrer rassistischen „Debattenkultur“ gewesen ist, wurde durch das Schmierentheater im Stuttgarter Landtag eines Schlechteren belehrt. Wann hat es das schon einmal gegeben, dass ein Parteivorsitzender seiner Co-Vorsitzenden ein Hausverbot erteilen will?

Doch damit hörte der „Spaß“ nicht auf: Derselbe Jörg Meuthen verpasste danach der knappen Hälfte seiner Fraktion den passenden Namen: „Alternative für Antisemitismus“. Denn obwohl der Abgeordnete Wolfgang Gedeon den Holocaust unter „gewisse Schandtaten“ subsumiert und den Ex-RAF-Terroristen und Holocaust-Leugner Horst Mahler als „Dissidenten“ bezeichnet, solidarisierten sich neun von 23 Abgeordneten mit diesem glasklaren Antisemiten – woraufhin Meuthens Meute aus der Fraktion auszog und eine neue Fraktion gründete, die „Alternative für Baden-Württemberg“.

Und was tat seine Kollegin Parteivorsitzende? Frauke Petry stellte sich prompt hinter die „Alternative für Antisemitismus“, die sie bis heute als die wahre AfD bezeichnet. Schöner hätte der rein instrumentelle Umgang mit dem Anti-Antisemitismus – als Spielball zu reinen Machtzwecken – nicht zum Ausdruck gebracht werden können.

Sie haben etwa 39% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 61% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

In der Oktober-Ausgabe zeigt der Anthropologe Wade Davis, wie die Corona-Pandemie die gesellschaftlichen Widersprüche der USA offenlegt und ihren Niedergang als Weltmacht beschleunigt. Der Historiker Bernd Greiner porträtiert den einstigen US-Chefstrategen Henry Kissinger und dessen skrupellosen Willen zur Macht. Der Schriftsteller Zafer Şenocak fordert, dass die deutsche Außenpolitik endlich Verantwortung für die kolonialen Verbrechen übernimmt. Die Schriftstellerin Dina Nayeri beschreibt, wie ihre Fluchterfahrung ihre Identität bis heute zutiefst prägt. Und »Blätter«-Mitherausgeber Rudolf Hickel plädiert für soziale Gerechtigkeit bei der Begleichung der gewaltigen Corona-Schulden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema