Ausgabe Dezember 2016

Der Trump-Komplex: Psychogramm eines Narzissten

Was bis vor wenigen Wochen nur die allerwenigsten politischen Beobachter für möglich hielten, ist tatsächlich eingetreten: Donald Trump hat die Wahl zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewonnen – gegen sämtliche Vorhersagen.

Ein entscheidender Grund dafür: Trumps Kampagne – ein Spektakel von Verfälschungen, bruchstückhaften Wortfetzen und einem extrem emotional aufgeheizten Stil – trotzte den üblichen Arten politischer Analyse. Wenn er über seinen immensen Reichtum, seine überlegene Intelligenz und seine angeborene Fähigkeit sprach, bei allem und jedem zu „gewinnen“, wirkte er eher wie eine Figur aus einer Hollywood-Farce denn als legitimer Kandidat. Er setzte sein gummiartiges Gesicht ein, um Abscheu, Verärgerung, Wut und Selbstzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen. Und er setzte seinen Körper ein, um Aussagen zu unterstreichen, die er betonen wollte. Als er etwa über einen Reporter sprach, der zufällig körperlich behindert war, machte er sich über ihn lustig, indem er seine Bewegungen nachäffte.

Die Quintessenz von Trumps Attraktivität war dagegen bereits im Titel seines schnell zusammengestückelten Wahlkampfprogramms enthalten, seinem Buch „Crippled America: How to Make America Great Again“ – „Verkrüppeltes Amerika: Wie wir Amerika wieder zu alter Größe führen“.

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In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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