Ausgabe Mai 2016

Linker Ausbruch: Europas Dritter Weg

Während die griechische Wirtschaftskrise auf die politische Agenda zurückgekehrt ist, ringen diverse Akteure um eine neue gesamteuropäische Strategie. Besonders große Aufmerksamkeit fanden die Gründungsversuche des ehemaligen Finanzministers Yanis Varoufakis,[1] doch auch in die Debatte der französischen Linken ist eine Menge Bewegung gekommen. So formuliert ein Aufruf von 80 Ökonomen nicht nur die üblichen Forderungen nach dem Ende der Austerität und einem 40 Mrd. Euro schweren Investitionsplan, sondern er schlägt auch eine machtpolitische Perspektive für dessen Durchsetzung vor: „Frankreich muss diesen Kurswechsel seinen europäischen Partnern und insbesondere Deutschland unterbreiten. Im Falle der Ablehnung muss Frankreich jenen Ländern, die bereit dazu sind – Portugal, Griechenland, aber auch andere, darunter Italien und Spanien (diese vier stehen zusammen mit Frankreich für mehr als 50 Prozent des BIP der Eurozone) –, einen Pakt zur Wiederbelebung der Wirtschaft anbieten, der den ökonomischen und sozialen Notwendigkeiten Vorrang vor den neoliberalen Regeln gibt.“[2]

Finanziert werden soll das Ganze durch höhere Verschuldung.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.