Ausgabe September 2016

Moderne Sklaverei: Unschärfen eines Begriffs

Ob Kinderarbeit auf Kakaoplantagen oder Näherinnen in Bangladesch – stehen unmenschliche Arbeitsbedingungen im Fokus, fällt rasch das Wort »Sklaverei«. Die Analyse der jeweiligen Kontexte kommt dabei allerdings meist zu kurz, kritisiert die Sozialwissenschaftlerin Janne Mende.

Immer wieder taucht heutzutage in den Medien ein Begriff auf, der noch am Ende des 20. Jahrhunderts als Gegenstand der Vergangenheit galt: Sklaverei. Heute werden entsprechende Praktiken in Abgrenzung von ihren historischen Formen und vom transatlantischen Sklavenhandel als „moderne Sklaverei“ bezeichnet.

Doch was genau unter dem Begriff zu verstehen ist, darüber gibt es keine Einigkeit – eine einheitliche Definition sucht man vergebens. Stattdessen gibt es eine Vielzahl von Fallbeispielen und Berichten über moderne Sklaverei, internationale, regionale und staatliche Abkommen, die das Phänomen in je unterschiedlicher Weise definieren, sowie Studien und sozialwissenschaftliche Debattenbeiträge, die sich kritisch mit der modernen Sklaverei auseinandersetzen. Zusammen ergeben all diese Beiträge ein heterogenes Bild dessen, was heute unter moderner Sklaverei verstanden wird.

Aus diesem Grund schwanken auch die Schätzungen darüber, wie viele Menschen weltweit in Sklaverei leben.

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