Ausgabe Juli 2017

Wider das Einheitsdenken

Plädoyer für Pluralismus in der Wirtschaftswissenschaft

Bild: VICUSCHKA / photocase.de

Um die universitäre Wirtschaftswissenschaft ist ein erbitterter Kampf entbrannt. Ökonomen gelten zwar weiterhin als kompetenteste Figuren in der Politikberatung, und die Ökonomik gilt als härteste und verlässlichste aller Sozialwissenschaften.[1] Doch diese alten Hierarchien sind in Bewegung geraten. Berühmt geworden ist die erstaunte Frage von Queen Elisabeth II. an die Adresse der Ökonomen, warum niemand von ihnen die globale Wirtschaftskrise ab 2008 kommen sah. Von einem „systematischen Versagen der universitären Wirtschaftswissenschaft“ sprechen selbst führende Vertreter der Disziplin.[2] Und auch der Chefökonom der Bank of England, Andrew Haldane, zog jüngst Parallelen zur Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre und forderte alternative wirtschaftswissenschaftliche Ansätze – nicht zuletzt für die Wirtschafts- und Geldpolitik.[3]

Dieses Versagen der Ökonomik markiert auch aus der Sicht vieler Beobachter eine regelrechte Legitimationskrise der Wirtschaftswissenschaft. Dennoch gibt der Mainstream bloß unbefriedigenden Antworten auf jene berechtigte Frage, die nicht nur die Queen gestellt hat: Viele Wirtschaftswissenschaftler erkennen in der mangelnden Prognosefähigkeit ihrer Disziplin kein Problem. Sie bewerteten die systemische Krise ab 2008 schlicht als selten auftretende Anomalie.

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