Ausgabe November 2017

Die Grünen in Jamaika: Verantwortungsbewusste Bürgerlichkeit

Rot-Rot-Grün, das ominöse R2G, gehört auf Bundesebene für unabsehbare Zeit der Vergangenheit an. Was aber folgt daraus für die jeweiligen Chancen von Grünen, Linkspartei und SPD? Dem widmen sich die folgenden Beiträge von Claus Leggewie (zu den Grünen in einer künftigen Jamaikakoalition), Michael Brie und Mario Candeias (zu den Erfolgsaussichten der Linkspartei) und Claus Heinrich (zum Abstiegskampf der SPD). – D. Red. 

Seit langem haben linke Auguren der grünen Partei nachgesagt, sie werde als „grüne FDP“ enden und ihre radikalen sozialökologischen Ursprünge verraten. Wenn sie demnächst in eine Koalition mit den Liberalen unter Führung der Union eintreten sollte, scheint dieses Schicksal besiegelt. Wer den Schritt empfiehlt, muss also triftige Gründe anführen. Der wichtigste ist: „Jamaika“, auch „schwarze Ampel“ genannt, kann eine schwere Staats- und Europakrise verhindern. Und es gibt ja den ominösen Regierungsauftrag: Die Kanzlerpartei ist auf eine Größe geschrumpft, die bald kaum noch eine „große“ Koalition erlaubt; die Sozialdemokratie hat sich (fürs Erste) zum Gang in den vermeintlichen Jungbrunnen der Opposition entschlossen; die Linke, halb ostdeutsche Protestpartei, halb Spaltprodukt der Hartz-Gesetze, kann sich im Osten nicht mehr entfalten und im Westen nicht verankern.

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