Ausgabe September 2017

Die Vergötzung des Marktes

Über das seltsame Überleben des Gottesbeweises in der Ökonomie

 Am 15. September treten wir in das zehnte Jahr der globalen Finanzkrise ein, die sich, ausgehend von dem Crash der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, regelrecht schockartig über die ganze Erde verbreitet hat. Was als Krise auf dem US-Immobilienmarkt begonnen hatte, entwickelte sich schnell zur verheerendsten Krise der Weltwirtschaft seit der Großen Depression.

Was aber ist – jenseits der immensen Zerstörung – bemerkenswert an dem, was seit dem Beginn der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise passiert ist? Gibt es einige Auffälligkeiten, die auch wir, die naiven Zuschauer, erkennen können?

Abgesehen davon, dass das Ereignis sogleich als Epochenbruch, als „Armageddon“, „Jahrhundertkatastrophe“ oder zumindest als „gewaltiges Beben“ der jüngeren Wirtschaftsgeschichte erfahren wurde,[1] besteht eine erste Auffälligkeit darin, dass sich der Finanzcrash auch als eine intellektuelle Katastrophe ereignete.

Als nämlich mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers das scheinbar Unerwartete geschah, war die Perplexität unter den meisten Experten groß.

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