Ausgabe April 2018

Kein Sozialismus ist auch keine Lösung

1968 und der heimatlose Antikapitalismus

Bild: birdys / photocase.com

Vor genau 50 Jahren, am 11. April 1968, flogen die „drei Kugeln auf Rudi Dutschke“ (Wolf Biermann), wurde der charismatische Anführer des „Sozialistischen Deutschen Studentenbundes“ (SDS) auf dem Berliner Kurfürstendamm durch einen rechtsradikalen Attentäter lebensgefährlich verletzt. Dutschke war in der „Frontstadt“ Berlin lange der unbestrittene Hauptakteur gewesen, seine Ansprachen waren getragen von großem existenziellem Pathos. Gerne zitierte er den Marxschen Satz aus der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie „mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Dabei schwankte Dutschke zwischen Hinschmeißen und dem Übergang in eine „echte“ Stadtguerilla-Aktion. Und kurz bevor ihn die verhängnisvollen Kugeln trafen, ließ er sich auf dem Cover des Wirtschaftsmagazins „Capital“ („für lumpige tausend Mark“) ablichten, woraufhin er innerhalb des SDS mit harscher Kritik konfrontiert wurde.

Er hatte ungewollt ein Tabu gebrochen, begriff sich die 68er-Revolte doch selbst sowohl als eine antikapitalistische als auch als eine inter- und transnationale Bewegung.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe November 2020

In der November-Ausgabe analysieren die Politikwissenschaftler Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, wie eine Politik der Feindschaft zunehmend die US-amerikanische Demokratie zersetzt. Der Journalist George Packer sieht – mit Blick auf die US-Präsidentschaftswahl am 3. November – eine letzte Chance, Amerika neu zu erschaffen. Der Ökonom James K. Galbraith plädiert in Zeiten der Krise für eine Rückbesinnung auf den Rooseveltschen New Deal. „Blätter“-Redakteur Daniel Leisegang warnt vor einem digitalen Kalten Krieg zwischen den USA und China. Und die Politikwissenschaftlerin Melanie Müller beleuchtet den doppelten Kampf Südafrikas gegen Corona und Korruption.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema