Der Sieg Donald Trumps am 8. November 2016 kam für so gut wie jeden überraschend, auch für die Republikaner selbst und den heutigen Präsidenten höchstpersönlich. Er gelang ihm nur deshalb, weil er sich jeden Vorteil, den ihm das System – nicht zuletzt das Electoral College, das „Wahlmänner“-Gremium – gewährte, zunutze gemacht hatte – und weil die Demokraten mit ihrer Spitzenkandidatin Hillary Clinton kläglich versagten. Die bisherige Amtszeit Donald Trumps hat zu einer wachsenden Polarisierung der amerikanischen Politik geführt. Die republikanische Vormachtstellung führt zu massiven Rückschritten in vielen Bereichen, große gesellschaftliche Errungenschaften werden nach und nach abgewickelt. Dabei ist es völlig unerheblich, ob es sich um Gesundheits-, Umwelt- oder Sozialpolitik handelt, die Maxime ist klar: Alles, was den liberalen Geist der Obama-Regierung atmet, gilt als verdächtig und wird von Trump lieber gestern als morgen rückgängig gemacht. Doch weite Teile der Bevölkerung wollen das nicht einfach hinnehmen. Das Bündnis rechter und ultrarechter Strömungen, das in den Institutionen Einzug gehalten hat, stößt auf massenhafte Ablehnung, aus der eine immer größere Protestbewegung erwächst.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.