Der Sieg Donald Trumps am 8. November 2016 kam für so gut wie jeden überraschend, auch für die Republikaner selbst und den heutigen Präsidenten höchstpersönlich. Er gelang ihm nur deshalb, weil er sich jeden Vorteil, den ihm das System – nicht zuletzt das Electoral College, das „Wahlmänner“-Gremium – gewährte, zunutze gemacht hatte – und weil die Demokraten mit ihrer Spitzenkandidatin Hillary Clinton kläglich versagten. Die bisherige Amtszeit Donald Trumps hat zu einer wachsenden Polarisierung der amerikanischen Politik geführt. Die republikanische Vormachtstellung führt zu massiven Rückschritten in vielen Bereichen, große gesellschaftliche Errungenschaften werden nach und nach abgewickelt. Dabei ist es völlig unerheblich, ob es sich um Gesundheits-, Umwelt- oder Sozialpolitik handelt, die Maxime ist klar: Alles, was den liberalen Geist der Obama-Regierung atmet, gilt als verdächtig und wird von Trump lieber gestern als morgen rückgängig gemacht. Doch weite Teile der Bevölkerung wollen das nicht einfach hinnehmen. Das Bündnis rechter und ultrarechter Strömungen, das in den Institutionen Einzug gehalten hat, stößt auf massenhafte Ablehnung, aus der eine immer größere Protestbewegung erwächst.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.