Ausgabe Februar 2018

Brand mit Ansage: Der Grenfell Tower als Exempel

Wie ein weithin sichtbares Mahnmal ragt die Ruine des ausgebrannten Grenfell Towers aus der Silhouette Westlondons hervor. 71 Menschen waren bei dem verheerenden Brand im Stadtbezirk Kensington und Chelsea im Juni 2017 ums Leben gekommen. Seitdem fordern Überlebende und Angehörige der Opfer eine schonungslose Aufklärung des Unglücks ein. Zudem hat sich an der Brandkatastrophe eine grundsätzliche Debatte um soziale Spaltung entzündet. Für viele Kritiker ist klar: Ein gefährliches Gemisch aus Privatisierung und Deregulierung, Finanzialisierung und Austeritätspolitik lässt das Leben in der pulsierenden Metropole für Menschen mit niedrigen Einkommen zum täglichen Überlebenskampf werden.

Die Wut darüber zeigte sich deutlich bei der bewegenden Trauerzeremonie in der St. Paul’s Cathedral, zu der im vergangenen Dezember, genau sechs Monate nach dem Brand, Angehörige, Anwohner und Regierungsvertreter zusammengekommen waren. Der Gottesdienst war alles andere als gewöhnlich, nicht nur weil er entsprechend der ethnischen und religiösen Herkunft vieler Toter ungewöhnlich vielfältig war, sondern vor allem wegen seines politischen Charakters. Die in der St. Paul’s Cathedral Versammelten betrauerten die Opfer einer vermeidbaren Katastrophe.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe November 2020

In der November-Ausgabe analysieren die Politikwissenschaftler Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, wie eine Politik der Feindschaft zunehmend die US-amerikanische Demokratie zersetzt. Der Journalist George Packer sieht – mit Blick auf die US-Präsidentschaftswahl am 3. November – eine letzte Chance, Amerika neu zu erschaffen. Der Ökonom James K. Galbraith plädiert in Zeiten der Krise für eine Rückbesinnung auf den Rooseveltschen New Deal. „Blätter“-Redakteur Daniel Leisegang warnt vor einem digitalen Kalten Krieg zwischen den USA und China. Und die Politikwissenschaftlerin Melanie Müller beleuchtet den doppelten Kampf Südafrikas gegen Corona und Korruption.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema