Ausgabe Mai 2018

Mali am Abgrund: Fünf Jahre Militärintervention

Gerade einmal 38 Minuten nahm sich der Bundestag jüngst Zeit, um die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Mali zu erörtern. Die Abgeordneten – Linke und AfD ausgenommen – hatten sich schon zuvor auf eine Zustimmung verständigt, obwohl die wenigsten unter ihnen ausreichend verstehen, was in Mali vor sich geht. Wie könnte eine wahrheitsgemäße Unterrichtung des Parlaments durch die Regierung geklungen haben? Etwa so: Fünf Jahre internationale Militärintervention haben für Malis Bevölkerung nicht mehr, sondern weniger Sicherheit gebracht. Kaum ein Tag vergeht ohne Anschläge, und der Staat zieht sich aus immer mehr Gebieten zurück.[1]

Die Krise in Mali ist komplex, jedoch nicht rätselhaft, und sie fiel im Jahr 2012 auch nicht vom bleichen Himmel des Sahel. Ihr Verständnis wird leichter, wenn wir zwei Faktoren beachten, die damals die nachfolgenden Ereignisse überhaupt erst möglich machten: In Libyen war gerade erst das Regime von Muammar al-Gaddafi mit Hilfe der Nato gestürzt worden und in Mali die vermeintliche Modelldemokratie zur bloßen Fassade verkümmert.

Aus libyschen Söldnerdiensten kommende, schwer bewaffnete Tuareg eroberten damals unter Führung der neuen Rebellengruppe MNLA (Mouvement National pour la Libération de l’Azawad) rasch große Teile Nordmalis.

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