Ausgabe Februar 2019

Negative Beziehungen und die Schmetterlingspolitik des Sexes

Schmetterling

Bild: Markus Gann / photocase.de

In seinem umstrittenen Roman „Unterwerfung“ beschreibt Michel Houellebecq ein Frankreich der nahen Zukunft, in dem ein Islamist mit freundlichem Antlitz zum Präsidenten gewählt wird. Er stilisiert diese kollektive Wende in der Gestalt von François, einem Literaturwissenschaftler mit Schwerpunkt auf dem 19. Jahrhundert, zu einer moralischen Kapitulation. François steht vor der Wahl, zum Islam überzutreten oder seine verdrießliche und hedonistische säkulare französische Identität zu bewahren. Ersteres brächte ihm einen beruflichen Aufstieg, mehr Geld und Zugang zu zahlreichen Frauen, die ihm im legitimen Rahmen der Polygamie sexuell und als Heimchen am Herd dienen würden. Die zweite Option würde bedeuten, dass er an einem Lebenswandel festhält, der immer wieder mit Momenten von Gelegenheitssex oder unverbindlichem Sex und existenzieller Langeweile durchsetzt ist. Letztlich sieht er sich dazu veranlasst, sich zu „unterwerfen“ (zum Islam zu konvertieren). Was ihn davon überzeugt, sich zu „ergeben“, ist die Aussicht auf die häuslichen und die sexuellen Dienste, die eine unterwürfige Frau ihm leisten wird.

Houellebecq greift damit die Themen zweier seiner früheren Romane wieder auf und bringt sie zum Abschluss: „Ausweitung der Kampfzone“ und „Elementarteilchen“.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Greenwashing für Glyphosat

von Jan Kursko

„Mein Job wird oft kritisiert. Aber er rettet auch Leben.“ Wenn eine Firma es sich erlaubt, mit derart bekenntnishafter Anti-Propaganda die Werbeflächen des Landes zu plakatieren, dann muss es ihr schon erstaunlich gut gehen – oder aber das Wasser steht ihr bis zum Hals.

Im Zeitalter der Verwüstung

Bild: imago images / Future Image

Im Zeitalter der Verwüstung

von Mathias Greffrath

2019 war das Jahr, in dem kein Tag verging, ohne neue Klimakatastrophenmeldungen: Brandherde in Bolivien, so groß wie zwei Bundesländer, gestorbene Gletscher auf Island, Dürre im Sudan, tausende Hitzetote in Europa, 700 Millionen Euro Ernteschäden in Deutschland, Venedig unter Wasser wie lange nicht, und immer dramatischere Zahlen.

Mythos Erhard: Die Legende vom deutschen Wirtschaftswunder

von Ulrike Herrmann

Vor bald 75 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Danach soll Westdeutschland, so will es die Legende, ein einzigartiges „Wirtschaftswunder“ erlebt haben, das allein der Währungsreform zu verdanken sei. Und wie in jedem Märchen gibt es dabei auch einen Helden: Ludwig Erhard. Selbst Grüne lassen sich inzwischen mit seinem Konterfei abbilden.

Bild: Nico / Unsplash

Neoliberal und ökologisch?

von Dieter Plehwe

Angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise sind dringend Maßnahmen geboten, die tiefe Eingriffe in Märkte und Preise erfordern – darin ist sich eine überwältigende Mehrheit der Klimawissenschaftler*innen einig.