Ausgabe Januar 2019

Entwicklungspolitik 2.0?

Der globale Süden und das falsche Versprechen der »digitalen Dividende«

Wenn etwas gegenwärtig als Zauberwort zukunftsgerichteter Politik fungiert, dann ist es „Digitalisierung“. Mehr Investitionen werden allenthalben gefordert, angefangen vom Ausbau der digitalen Infrastruktur und Bildung bis hin zu länderübergreifenden, europäischen Vorhaben, wie dem Aufbau eines KI-Campus sowie eines Firmenkonsortiums zur Entwicklung von E-Auto-Batterien. Was dagegen fehlt, ist eine darüber hinausgehende internationale oder gar globale Vision – und zwar insbesondere, was die Auswirkungen auf den globalen Süden anbelangt.

Dieser nationale Tunnelblick ist gerade beim Thema Digitalisierung erstaunlich. Und er ist fahrlässig, da die kommerziellen Internetplattformen die Globalisierung längst für sich zu nutzen wissen wie kein anderer Wirtschaftssektor zuvor. Während die hiesige Parteienlandschaft über den Ausbau des Glasfasernetzes diskutiert, dringen Amazon und Co. in immer neue Geschäftsfelder vor, wie den Lebensmittelhandel oder das Versicherungswesen. Gleichzeitig drängen sie „ihre“ Regierungen, sich im Rahmen von Handelsabkommen für sehr weitreichende Regelungen im Bereich des digitalen Handels einzusetzen.

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Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

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