Ausgabe März 2019

Im Süden nichts Neues

Die Rolle Deutschlands im Zeitalter der neuen Stellvertreterkriege

Angesichts der Aufkündigung des INF-Vertrages[1] ist dieser Tage oft vom definitiven Ende des Kalten Krieges die Rede. Für erhebliche Teile der Welt trägt der Kalte Krieg jedoch zu Unrecht seinen Namen – damals wie heute. Denn schon vor 1989 war der vermeintliche Kalte Krieg in vielen Teilen der Welt alles andere als kalt. Und diese vielen „heißen“ Kriege im globalen Süden endeten keineswegs mit dem Ende des angeblichen Kalten Krieges. Sie lebten und leben in anderer Form bis heute weiter oder sogar wieder auf. Auf dramatische Weise prägen sie nach wie vor die gegenwärtige geopolitische Situation – und das nicht nur im Nahen Osten. Dabei war die Zeit unmittelbar nach dem „Kalten Krieg“ tatsächlich eine der wenigen jüngeren geschichtlichen Epochen, aus der konkrete Möglichkeiten zur Realisierung einer gerechteren und friedlicheren Welt hervorgingen. Nach Jahren des friedlichen Widerstands konnten in Ostdeutschland – und im gesamten mittel- und osteuropäischen Raum – endlich Gesellschaftsordnungen etabliert werden, die auf freiheitlichen Bürgerrechten basieren. Das „Gleichgewicht des atomaren Schreckens“ – oder, in der Sprache der internationalen Beziehungen, die Doktrin der „garantierten gegenseitigen Zerstörung“ – schwebte nicht mehr wie ein Damoklesschwert über der Weltbevölkerung.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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