Ausgabe November 2019

Sri Lanka: Nationalismus auf dem Vormarsch

Sri Lanka steht vor einer dramatischen Richtungsentscheidung. Bei den Präsidentschaftswahlen am 16. November könnte sich der südasiatische Inselstaat rasant weiter in Richtung Entdemokratisierung und populistischem Mehrheitsnationalismus bewegen. Denn zum Ende der aktuellen Legislaturperiode, die anfangs von großen Hoffnungen begleitet wurde, sind alte und neue Probleme (wieder) aufgetreten, die eine gesellschaftliche Spaltung entlang ethnischer und neuerdings auch religiöser Linien verstärkt haben.

Insbesondere die radikalislamischen Attentate vom Ostersonntag, bei denen in der Hauptstadt Colombo mehr als 250 Menschen in Kirchen und Hotels ermordet wurden, spielen ausgerechnet dem Kandidaten der Familiendynastie Rajapaksa in die Hände. Gerade die Rajapaksas mit ihrer rechtsnationalistischen Partei Sri Lanka Podujana Peramuna (SLPP) verfügen jedoch über das geringste Interesse an der Lösung der gesellschaftlichen Spannungen: Während der letzten Bürgerkriegsphase hatten sie viele wichtige Ämter inne und legitimierten mit einer reißerischen Anti-Terrorismus-Rhetorik die Militärintervention in den Gebieten der tamilischen Minderheit, die 2009 innerhalb weniger Monate 40 000 bis 70 000 Tote hinterließ – über zwei Drittel davon in von der Regierung ausgewiesenen No-Fire-Zones.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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