Ausgabe Oktober 2019

Australien rechtsaußen

Wenn Wahlergebnisse über Bildschirme flimmern, sprechen Politiker gerne vom „verdienten Sieg“, im Fall einer Niederlage auch vom „unglücklichen Abschneiden“. Ganz entgegen dieser Gewohnheit bezeichnete der nach einem parteiinternen Putsch vor einem Jahr ins Amt gekommene australische Premierminister Scott Morrison die Wiederwahl seiner nationalkonservativen Koalition bei der Parlamentswahl am 18. Mai als ein „Wunder“.

Aus demoskopischer Sicht war es dies in der Tat. Zwar büßten die übelsten Rechtspopulisten ihr Abgeordnetenmandat ein: Ex-Premier Tony Abbott, quasi ein australischer Donald Trump, verlor seinen Wahlkreis im wohlhabenden Nordosten Sydneys und musste das Repräsentantenhaus Ende Juni verlassen. Genauso erging es Fraser Anning, dessen neu gegründete rechtsradikale Partei keinen Sitz im australischen Senat errang. Insgesamt konnte jedoch die rechts-konservative Flanke entgegen aller Prognosen ihre Mehrheit verteidigen. So lag Morrisons Koalition nach der Stimmauszählung 1,5 Prozentpunkte vor der Opposition. Infolgedessen kann sein Bündnis aus konservativ-wirtschaftsliberalen Liberals und rechter National Party seit Juli weiter das Land regieren – wenn auch nur mit einer hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme im Repräsentantenhaus: Die Regierung verfügt dort über 76 der insgesamt 151 Sitze.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

SPD-Parteitag

Bild: imago images / IPON

2020: Jahr des Übergangs, Jahr der Entscheidung

von Albrecht von Lucke

„In die Neue Zeit“ war der SPD-Bundesparteitag Anfang Dezember überschrieben, und tatsächlich steht die Wahl von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans zum ersten Duo an der SPD-Spitze für eine historische Zäsur. Dabei könnte die neue Führung selbst nur ein Übergangsduo sein.

Bild: imago images / Independent Photo Agency Int.

Sardinen gegen Salvini: Protest auf Italienisch

von Andrea Affaticati

Mit diesem Sardinenschwarm, der von Tag zu Tag größer wird und sich von Nord nach Süd über ganz Italien erstreckt, hatte niemand gerechnet. Und schon gar nicht die Politiker. Seit Jahren gab es kein Aufbäumen mehr in der Zivilgesellschaft, als sei diese in Schockstarre verfallen.

Indische Soldaten

Bild: imago images / Hindustan Times

Das Ende des indischen Traums

von Arundhati Roy

Indien lebte stets von seiner Vielfalt und seinen Gegensätzen. Doch seit der Wahl von Narendra Modi zum Premierminister droht sich das zu ändern: Denn Modi kämpft für eine Vorherrschaft der Hindus – und zwar mit allen Mitteln.