Ausgabe August 2020

Burundi: Das Ende der Versöhnung?

Der designierte burundische Präsident Evariste Ndayishimiye (Mitte, vorne) unterzeichnet am 13. Juni 2020 in Bujumbura (Burundi) ein Kondolenzbuch für Pierre Nkurunziza.

Bild: Der designierte burundische Präsident Evariste Ndayishimiye (Mitte, vorne) unterzeichnet am 13. Juni 2020 in Bujumbura (Burundi) ein Kondolenzbuch für Pierre Nkurunziza. (imago images / Xinhua)

Der Himmel hat ihn doch nicht gerettet, auch wenn der langjährige burundische Präsident sich immer auf göttlichen Beistand verlassen hatte: Am 8. Juni starb der erst 55jährige Pierre Nkurunziza völlig überraschend – offiziellen Verlautbarungen zufolge an Herzversagen, aller Wahrscheinlichkeit nach jedoch an einer Infektion mit dem Coronavirus, das der Präsident für nicht existent hielt. Schon im Mai war seine Frau an Covid-19 erkrankt und überlebte nur dank ihrer Evakuierung nach Kenia. Nkurunziza starb zweieinhalb Monate vor dem regulären Ende seiner Amtszeit, sein Nachfolger stand schon fest: Bereits am 20. Mai war Evariste Ndayishimiye zum neuen Präsidenten des zentralafrikanischen Staates gewählt worden; nach dem Tod seines Vorgängers am 18. Juni wurde er vorzeitig ins Präsidentenamt eingeführt. Dieser Übergang vollzog sich keineswegs geräuschlos: Bereits kurz nach Nkurunzizas Tod verlangte der bei der Präsidentschaftswahl unterlegene Kandidat Agathon Rwasa Neuwahlen: Stirbt der Präsident im Amt, übernimmt laut Verfassung der Präsident der Nationalversammlung die Interimsgeschäfte und muss innerhalb von drei Monaten Neuwahlen ausschreiben. Das Verfassungsgericht entschied allerdings anders: Es gebe bereits einen gewählten Nachfolger, deshalb bedürfe es keiner Interimslösung und auch keiner Neuwahl. Stattdessen entschied das Gericht, Ndayishimiye so schnell wie möglich in sein Amt einzuführen, um Instabilität zu vermeiden.

August 2020

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Afrika: Die zweifache Katastrophe

von Simone Schlindwein

Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.