Ausgabe Juli 2020

Corona unter Bolsonaro: Gesundheit oder Hunger

Aktivisten stellen 110 Kreuze auf, um die Fehler der Regierung bei der Bewältigung der Coronakrise anzuprangern, während eines von der NGO Rio de Paz organisierten Aktes am Strand der Copacabana, Rio de Janeiro, Brasilien, am 11. Juni 2020.

Bild: imago images / Agencia EFE

Brasilien hat sich in den letzten Wochen zu einem Epizentrum der Corona-Pandemie entwickelt; die Zahl der Infizierten steigt täglich rapide an. Ende März war in São Paulo der erste Covid-19-Patient diagnostiziert worden, einhundert Tage später waren selbst nach offiziellen Angaben bereits knapp 600 000 Menschen infiziert und mehr als 32 000 gestorben. Doch da nur schwer erkrankte Personen überhaupt auf das Virus getestet werden, gehen selbst konservative Studien von mindestens sieben Mal höheren Fallzahlen aus.

Die Hauptverantwortung für diese beispiellose Gesundheitskrise trägt der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro. Bis heute spielt er die Gefahr der Pandemie herunter, lehnt soziale Isolationsmaßnahmen dezidiert ab und nimmt wöchentlich ein Bad in der Menge seiner Anhänger*innen – ohne eine Maske zu tragen. Die Krankheit treffe schließlich nur die Alten und Schwachen ernsthaft, so sein Credo. Einen wissenschaftsbasierten Ansatz im Umgang mit der Pandemie verweigert er.

Mit dieser Haltung geriet Bolsonaro in Konflikt mit seinem Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta, den er Mitte April entließ. Dessen Nachfolger trat wenig später ebenfalls zurück. Auch mit den meisten Gouverneuren der Bundesstaaten liegt Bolsonaro im Widerstreit. Diese haben sich bislang bemüht, die WHO-Empfehlungen umzusetzen.

Juli 2020

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