Ausgabe Oktober 2020

Gewalt. Macht. Hegemonie

Zur Aktualität von Henry Kissinger

US-Präsident Donald Trump trifft im Mai 2017 im Oval Office des Weißen Hauses in Washington, D.C. den ehemaligen Nationalen Sicherheitsberater und Außenminister Henry Kissinger.

Bild: Public Domain / White House

»Wie soll man denn Diplomatie ohne die Androhung von Eskalation betreiben?
Ohne diese Drohung gibt es keine Grundlage für Verhandlungen.«
– Henry Kissinger[1]

 

Was macht eine Ordnungsmacht, wenn ihr die Ordnung entgleitet? Was bedeutet der Verlust von Macht und Einfluss? Wo ist Amerikas Platz in einer multipolaren Welt? Ist es ratsam, sich dem Wandel entgegenzustellen, ihn gar aufhalten zu wollen? Diese Fragen stellen sich den Vereinigten Staaten seit Jahren. Sie sind also keineswegs neu, sondern drängten bereits Ende der 1960er Jahre mit aller Macht auf die politische Tagesordnung.

Wegen der immensen Belastungen des Vietnamkrieges taumelte der Dollar damals als internationale Leitwährung von einer Krise zur nächsten; die Sowjetunion hatte wegen der Invasion in der CˇSSR zwar politisch einen Rückschlag zu verdauen, befand sich militärisch aber auf dem besten Weg, mit dem Atomwaffenarsenal der USA gleichzuziehen; für die Unabhängigkeitsbewegungen in der Dritten Welt war der „American Way“ mittlerweile ein Entwicklungsangebot unter vielen und beileibe nicht das attraktivste; und obendrein demonstrierte die Bundesregierung in Bonn unter Willy Brandt mit ihrer Ostpolitik, dass Westbindung und eigenständiges Denken kein Widerspruch sein mussten.

Zu Hause ging es ebenfalls drunter und drüber.

Oktober 2020

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Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

In der Oktober-Ausgabe zeigt der Anthropologe Wade Davis, wie die Corona-Pandemie die gesellschaftlichen Widersprüche der USA offenlegt und ihren Niedergang als Weltmacht beschleunigt. Der Historiker Bernd Greiner porträtiert den einstigen US-Chefstrategen Henry Kissinger und dessen skrupellosen Willen zur Macht. Der Schriftsteller Zafer Şenocak fordert, dass die deutsche Außenpolitik endlich Verantwortung für die kolonialen Verbrechen übernimmt. Die Schriftstellerin Dina Nayeri beschreibt, wie ihre Fluchterfahrung ihre Identität bis heute zutiefst prägt. Und »Blätter«-Mitherausgeber Rudolf Hickel plädiert für soziale Gerechtigkeit bei der Begleichung der gewaltigen Corona-Schulden.

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