Ausgabe September 2021

Alle oder keiner

Warum wir von der nationalen Immunität zur globalen Kommunität gelangen müssen

Nur selten erlebt ein Autor, wie etwas, das er einmal in einem Buch vertreten hat, fast zwanzig Jahre später Realität wird und dabei alle Prognosen übersteigt. So geschah es mit Immunitas. Es versteht sich von selbst, dass ich das ohne jede Genugtuung sage, deckt sich doch diese „Realisierung“ mit der schwersten weltumspannenden Krise seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Tatsache ist jedoch, dass diese Krise eindeutig unter dem Zeichen der Immunität steht.

Den Begriff Immunitas verwende ich in einem ähnlichen Sinne, wie René Girard mit seiner Rede von einer „Krise des Opfers“,[1] um damit anzuzeigen, wie das Immunitätsvokabular jäh, und nicht selten gewaltsam, Einzug in sämtliche Lebensbereiche hält – und welche brisanten Auswirkungen das zeitigt. Heute, im Jahr der Pandemie, vollzieht sich diese semantische Durchdringung vor aller Augen. Es ist von nichts anderem mehr die Rede als von Immunität – ob natürlich erworben oder induziert, temporär oder lebenslang, ob individuelle Immunität oder Herdenimmunität. Mit Hilfe von Massentests wird die Immunisierungsrate verschiedener Bevölkerungen ermittelt, werden Schwellenwerte errechnet, ab wann man sich auf der sicheren Seite wähnen kann.

September 2021

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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