Ausgabe August 2022

Atomare Abrüstung: Eine Forderung, deren Zeit gekommen ist

Aktivisten vor dem Brandenburger Tor in Berlin, nachdem die Verlängerung des New START-Vertrags zwischen Russland und den USA beschlossen wurde, 29.1.2021 (IMAGO / Future Image)

Bild: Aktivisten vor dem Brandenburger Tor in Berlin, nachdem die Verlängerung des New START-Vertrags zwischen Russland und den USA beschlossen wurde, 29.1.2021 (IMAGO / Future Image)

Russlands Präsident Wladimir Putin hat zuletzt wiederholt mit dem scheinbar Undenkbaren gedroht: dem Einsatz von Atomwaffen. Die Nato wiederum will künftig stärker auf nukleare Abschreckung setzen. Schlechte Zeiten also für Abrüstung? Dem widerspricht die IPPNW- und ICAN-Nuklearwaffenexpertin Xanthe Hall: Mit dem Atomwaffenverbotsvertrag rückt eine atomwaffenfreie Welt ein Stück näher

Die Entwicklungen rund um den Krieg in der Ukraine zeigen auf erschreckende Weise nicht zuletzt dies: Es braucht neue Impulse für die nukleare Abrüstung. Und tatsächlich erfolgte jüngst ein solcher, historisch zu nennender Schritt: Vom 20. bis zum 23. Juni trafen sich bei den Vereinten Nationen in Wien erstmals die Vertragsparteien zum Atomwaffenverbotsvertrag (AVV). Der AVV war am 22. Januar 2021 in Kraft getreten und verbietet umfassend den Besitz, die Entwicklung und die Stationierung von Atombomben sowie die Drohung mit diesen Waffen. Auf der diesjährigen Konferenz wurde der Vertrag ausgestaltet und die neue Norm weiterentwickelt. Das brachte den deutlichen Willen der 86 Unterzeichnerstaaten zum Ausdruck, sich trotz der angespannten Weltlage für die Ächtung von Atomwaffen einzusetzen. Ein Meilenstein für die nukleare Abrüstung.

Vor der eigentlichen Staatenkonferenz fand die vierte Konferenz zu den humanitären Folgen von Atomwaffen statt, ausgerichtet vom österreichischen Außenministerium.

August 2022

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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