Ausgabe Februar 2022

Der Siegeszug des Illiberalismus

Wie die Demokratie ihren Feinden in die Hände spielt

Russische Puppen mit den Konterfeis von Wladimir Putin, Donald Trump und Xi Jinping (IMAGO / ITAR-TASS)

Bild: Russische Puppen mit den Konterfeis von Wladimir Putin, Donald Trump und Xi Jinping (IMAGO / ITAR-TASS)

Die Wahl Donald Trumps entfachte 2016 eine breite Debatte über Charakter und Schicksal der liberalen Weltordnung. Sie schien plötzlich zwischen Scylla und Charybdis geraten zu sein – herausgefordert einerseits durch illiberale Großmächte und andererseits nun auch noch durch einen ihr feindlich gesinnten US-Präsidenten. Zwar verlor dieser 2020 das Amt, die liberale Ordnung bleibt jedoch bedroht. Das Ausmaß der Herausforderungen, vor denen sie steht, wird durch die jüngsten Entwicklungen nur noch unterstrichen. Vor allem aber erweist sich, dass diese Herausforderungen lediglich ein Ausdruck einer viel umfassenderen Krise sind, die den Liberalismus als solchen gefährdet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten sich die tonangebenden Kreise sowohl der Demokratischen als auch der Republikanischen Partei jahrzehntelang übereinstimmend dem Projekt verschrieben, eine von den Vereinigten Staaten angeführte Weltordnung zu schaffen. In ihren Augen sollte Washington eine Welt aufbauen, die zumindest partiell auf Handelsaustausch und Privateigentum basierte, auf dem Schutz von politischen, bürgerlichen und Menschenrechten, der normativen Überlegenheit der repräsentativen Demokratie sowie der formellen Gleichberechtigung souveräner Staaten, die häufig in multilateralen Institutionen kooperieren.

Februar 2022

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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