Ausgabe Juni 2022

Das radikal Böse

Die unheimliche Wiederkehr des Faschismus

zettberlin/photocase

Bild: zettberlin/photocase

Versucht, ein ausländisches Mädchen für die Rolle zu finden.“ Diese Notiz war dem ersten Entwurf des Drehbuchs für „Casablanca“ angeheftet.[1] Im März 1942 versenkten deutsche U-Boote vor der Küste Neuenglands vollkommen ungehindert amerikanische Schiffe; die US-Truppen hatten sich gerade von den Philippinen zurückziehen müssen; und Hitler hatte in einer Rede die „Vernichtung des Judentums“ angekündigt.[2] Aber für Philip und Julius Epstein war das größte Problem, wie man einen antifaschistischen Film unterhaltsam machen konnte.

Den Epstein-Zwillingen – jüdischen Liberalen aus der Lower East Side in New York, die als Drehbuchautoren bei Warner Brothers arbeiteten – war ein Theaterstück mit dem Titel „Everybody Comes to Rick’s“ in die Hand gedrückt worden. Das Stück handelt von einem amerikanischen Playboy, der in Marokko lebt und einem antifaschistischen Widerstandskämpfer bei der Flucht vor den Nationalsozialisten hilft, um eine Wette zu gewinnen. Die Epsteins sollten aus dem Textbuch ein Drehbuch machen. Aber sie befürchteten, dass kein Film daraus werden würde, wenn sie die Handlung nicht mit geistreichem Humor und romantischen Verwicklungen aufpäppelten. Auch vier Monate nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor wussten die wenigsten Amerikaner, was in diesem Krieg auf dem Spiel stand. Der Großteil der Bevölkerung war gegen die amerikanische Kriegsbeteiligung.

Juni 2022

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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