Ausgabe März 2022

Merz-Söder-Populismus: Der Kanzler in der Impfpflichtfalle

Wahlkampfplakat am Willy-Brandt-Haus, August 2021 (IMAGO / Zoonar)

Bild: Wahlkampfplakat am Willy-Brandt-Haus, August 2021 (IMAGO / Zoonar)

Noch keine hundert Tage im Amt, steht die Ampel-Koalition schon gewaltig unter Druck. Während die Umfragewerte, insbesondere die des Kanzlers, eingebrochen sind, kommt es mit den Landtagswahlen im Saarland am 27. März, in Schleswig-Holstein am 8. und in Nordrhein-Westfalen am 15. Mai zu drei wichtigen Urnengängen. Sie werden Aufschluss darüber geben, ob sich die Koalition gestärkt oder geschwächt an die Arbeit der jetzt noch gut dreieinhalb Jahre machen kann.

Es geht für die Bundesregierung schon jetzt um die zentrale Frage, wie groß ihre Handlungsmacht ist. Denn wie wohl keine andere Regierung vor ihr ist die Ampel-Koalition von Beginn an mit gewaltigen Krisen konfrontiert. Zunächst muss sie sich angesichts der dramatischen militärischen Eskalation des Putin-Regimes auf dem Feld der Außenpolitik beweisen. Doch noch bedrohlicher für die Ampel, jedenfalls was die Zustimmung im eigenen Lande anbelangt, ist die innenpolitische Situation im Kampf gegen Corona. Dort wird der Umgang mit der Impfpflicht immer mehr zu einer Probe aufs Exempel für die Durchsetzungsfähigkeit dieser Regierung.

Noch im Herbst vergangenen Jahres sprachen sich die Vertreter der Union, an der Spitze die drei wahlkämpfenden Ministerpräsidenten Tobias Hans, Daniel Günther und Hendrik Wüst, genau wie Olaf Scholz für die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht aus, CSU-Chef Markus Söder natürlich immer vorneweg.

März 2022

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Donald Trump und die moderne Konterrevolution

von Bernard E. Harcourt

Mit einer Flut von Präsidialdekreten und Notstandserklärungen hat Donald Trump die Axt an den US-amerikanischen Regierungsapparat und die globale Ordnung gelegt. Er zerschlägt den Verwaltungsstaat, schließt Behörden und entlässt Bundesbedienstete.

Für Gott und gegen das Böse

von Carlotta Voß

Seit Putins Vollinvasion der Ukraine am 24. Februar 2022 ringt das demokratische Europa nicht nur mit diesem fundamentalen Angriff auf seine territoriale Integrität, sondern auch mit seiner Geschichtsphilosophie. Pflichtschuldig wird in politischen Reden eingestanden, man habe sich geirrt in der Überzeugung, die Zeitenwende von 1989 markiere ein „Ende der Geschichte“.