Ausgabe März 2023

Eine kreative Mythologie für die Linke

»Liberté Egalité Fraternité« am Rathaus in Avignon, 20.8.2016 (falco via pixabay.com )

Bild: »Liberté Egalité Fraternité« am Rathaus in Avignon, 20.8.2016 (falco via pixabay.com)

In der Februar-Ausgabe analysierte der langjährige „Zeit“-Journalist Thomas Assheuer, wie die neue Rechte mit Hilfe der Macht des Mythos immer stärker die gesellschaftliche Hegemonie übernimmt. Dagegen müsse die Linke auf die Kraft der Aufklärung und der Fakten setzen. Im Gegensatz dazu plädiert der Philosoph Josef Früchtl dafür, dass die Linke ihrerseits keinesfalls auf die Kraft des Mythos verzichten könne, ohne an gesellschaftlicher Deutungsmacht zu verlieren.

Der Mythos gehört der politischen Rechten. Das scheint in Stein gemeißelt wie in einem Denkmal aus dem 19. Jahrhundert, jener Zeit, in der, vorangetrieben durch die Romantik, nicht nur der Mythos einen herausgehobenen, ja erhabenen Stellenwert erhält, sondern auch jene Begriffe mit Macht die politische Bühne besetzen, die die Rechte seither ausbeutet: Volk, Nation, Vaterland, organisches Ganzes, Schicksalsgemeinschaft. Dabei ist die Herstellung einer direkten Einheit von Volk und Nation durch die Französische Revolution zunächst ein fundamental demokratischer Akt; es ist „das Volk“, das die Bastille stürmt. Wo eine Einheit ist, ist aber auch Ausgrenzung, und so nehmen die „Volksfeinde“ zu. Von innen wie von außen sieht die Nation die Reinheit des Volkskörpers bedroht, „Säuberungen“, Hinrichtungen und Kriege stehen an. So verändert sich die Bedeutung der Begriffe im Laufe der Geschichte.

»Blätter«-Ausgabe 3/2023

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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