Ausgabe April 2024

Schweiz: EU-Integration nur mit sozialer Sicherheit

Flaggen der EU und der Schweiz, 13.9.2019 (IMAGO / CHROMORANGE)

Bild: Flaggen der EU und der Schweiz, 13.9.2019 (IMAGO / CHROMORANGE)

Stellen Sie sich vor, in Deutschland oder Österreich würde nächstes Wochenende eine Volksabstimmung stattfinden. Und zwar darüber, ob die Personenfreizügigkeit und die Dienstleistungsfreiheit mit den anderen Ländern der Europäischen Union bestehen bleiben sollen. Ob also der deutsche oder österreichische Arbeitsmarkt für Migrant:innen aus der EU offenbleiben und ob es Unternehmen, insbesondere aus den neuen EU-Staaten, weiterhin erlaubt sein soll, Beschäftigte für die Erledigung bestimmter Aufträge zu entsenden. Man muss nicht den Teufel an die Wand malen, um die Prognose zu wagen, dass es dem proeuropäischen Lager zumindest einiges an Einsatz abverlangen würde, eine solche Volksabstimmung zu gewinnen. Gleiches gilt wohl auch für andere Bereiche der europäischen Integration.

Die Schweizerische Sozialdemokratie (SP) und die Gewerkschaften standen in den vergangenen 30 Jahren achtmal vor genau dieser Aufgabe. Wie ist es dabei gelungen, in einem Nicht-EU-Land immer wieder Mehrheiten für eine Anbindung an den Staatenbund zu beschaffen?

Die Antwort ist banal und herausfordernd zugleich: mit der Formel „wirtschaftliche Integration flankiert mit sozialem und ökologischem Schutz“. Wenn in der Schweiz derzeit um neue Verhandlungen mit Brüssel nach dem Abbruch des Rahmenabkommens mit der EU im Jahr 2021 gestritten wird, so geht es dabei genau um diese Formel.

»Blätter«-Ausgabe 4/2024

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.