Ausgabe August 2024

Joe Biden oder: Die Hinfälligkeit der Demokratie

Joe Biden verlässt die Bühne, 11.7.2024 (IMAGO / NurPhoto / Beata Zawrzel)

Bild: Joe Biden verlässt die Bühne, 11.7.2024 (IMAGO / NurPhoto / Beata Zawrzel)

„Ich werde kein Diktator sein, außer am ersten Tag“. Schon als Donald Trump Ende vergangenen Jahres[1] dieses Versprechen abgab, klang es nicht gerade vertrauenserweckend aus dem Munde eines Mannes, der es in seiner ersten Amtszeit als US-Präsident laut „Washington Post“ auf über 30 000 falsche oder irreführende Behauptungen gebracht hatte.[2] Doch mit dem Urteil des Supreme Courts, das nun jede „offizielle Handlung“ im Präsidentenamt straffrei stellt, bekommt Trumps Diktatur-Ankündigung eine ganz andere, schier abgründige Bedeutung.[3] Damit steht mit der Wahl am 5. November und ihrem Ausgang die Demokratie als solche auf dem Spiel.

Einen – vorerst – letzten Beweis für die bereits jetzt historische Dimension dieser Wahl erbrachte der Anschlag auf Donald Trump in Butler/Pennsylvania, wie auch dessen Instrumentalisierung durch Trumps Parteigänger. So erklärte sein designierter Vizepräsident, Senator J.D. Vance, Präsident Joe Biden zum eigentlichen Urheber des Attentats. „Wir befinden uns in einem geschichtlichen Moment, in dem es nicht um Politik geht, sondern um das Regime – um den Fortbestand unserer Republik“, stellt Timothy Snyder zu Recht fest.[4] Die Ereignisse von Butler lassen erahnen, wie schnell das Land bei einem erfolgreichen Attentat in einen Bürgerkrieg hätte abdriften können. Und zugleich demonstrieren die Bilder, wie dramatisch die Lage der Demokraten in diesem Wahlkampf ist.

»Blätter«-Ausgabe 8/2024

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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