Ausgabe Dezember 2024

Der Streit um die ostdeutsche Identität

Von der Selbstvergewisserung zur Selbstwirksamkeit?

Überreste der Berliner Mauer an der Bernauer Straße in Berlin, 5.11.2024 (IMAGO / photothek / Florian Gaertner)

Bild: Überreste der Berliner Mauer an der Bernauer Straße in Berlin, 5.11.2024 (IMAGO / photothek / Florian Gaertner)

Die Debatte um die Verfasstheit der ostdeutschen Gesellschaft im vereinten Deutschland ist so alt wie die deutsche Einheit selbst. Mehr noch: Der Diskurs um die Repräsentation der Ostdeutschen begann bereits in den Monaten vor dem 3. Oktober 1990, als um den Weg zur Einheit gerungen wurde. Umstritten war, ob die Einheit durch einen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik nach Art. 23 GG oder durch eine Vereinigung nach Art. 146 GG vollzogen werden sollte. Mit dem Ergebnis der ersten (und zugleich letzten) freien Wahlen zur Volkskammer der DDR am 18. März 1990 war der Weg zu einer raschen deutschen Einheit vorgezeichnet: Eine überwältigende Mehrheit der DDR-Bürger votierte mit ihrer Stimme für die „Allianz für Deutschland“ und damit für den Anschluss an die Bundesrepublik und die vollständige Übernahme von deren wirtschaftlicher und politischer Ordnung. Seitdem haben sich die Debatten über Ostdeutschland zu einem eigenständigen zeithistorischen Diskursphänomen entwickelt, in dem ausgehandelt wird, wer mit wem in welcher Weise über die Geschichte und Gegenwart des Landes spricht und wer seine Deutungen durchsetzen kann.

Wie präsent sind ostdeutsche Kollektiverfahrungen?

In den ersten Jahren entzündeten sich diese Debatten an den zu treffenden Entscheidungen über die Ausgestaltung der deutschen Einheit.

»Blätter«-Ausgabe 12/2024

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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